Im "Bekenntnis"

Tom Breidenbach

Angenommen das Dasein wird als hoechst akuter Affront wahrgenommen. "Zu bekennen" hergeleitet vom lateinischen com fateri, zugestehen oder anerkennen.

Zu bekennen ist nicht fuer etwas schuldig zu sein, sondern die Existenz erlaeutern.

Sich aeussern, ausrichten nach Gott, dem Unerklaerlichen, ein Geheimnis als Furcht erfahren.

Das Leben ist niemals gleich . Selbsternaehrend- auf der einen Seite die Vergangenheit - verunreinigt durch die Geschichte- auf der anderen, die leere Gegenwart. Von Unschuldigkeit ausgeschlossen, verhalten wir uns wie wir es muessen- entweder aus Angst oder aus Liebe- im Schatten gehend.

In Whites himmlischer Videoparabel, liest ein Maedchen ein Geschichtsbuch. Sie betritt eine Kathedrale um ein Gestaendnis zu machen, zuendet eine Kerse an, findet sich selbst in einem Wald wieder, taucht in einen Fluss ein, erscheint in einem Kriegsgebiet, blaettert erneut im Buch, haeuft Gewehrkugeln und Patronen an, schiesst mit Kerzen in der Kathedrale, wiedererscheint in der Natur, in einer Stroemung liegend…

Sie ist Muse, Erinnerung, Wunder. Das Selbst auf eins beeinflussbar – allein, entbloesst, verwirrt – und herausfordernd – gelehrt, bewaffnet, magisch.

Ihre Staerke und Verwundbarkeit sind eins. Wie wir, bewohnt sie eine gegensaetzliche Existenz.

In einer Zeit in der die Toedlichkeit unserer Blutsfehde sich der Apokalypse naehert, spielt White, durch sie, auf die Auswirkung die Familie und historisches Erbgut auf jeden von uns hat, an. Der Traum reflektiert unsere tierische Verzweiflung, er wird zum Alptraum und erfordert ein unvorhergesehenes Erwachen oder Tod bei betreten der Geschichte.

Die Geschichte konfrontiert unsere kollektive kulturelle Vorstellung mit der Unmoeglichkeit: die Notwendigkeit der Suehne, der Verwandlung qualvoller Erlebnisse- welche unsere Beziehungen definieren- miteinander, zu dem Verstaendnis, das wir zum ueberleben brauchen. Geistiger Verstand erfordert das

Ausloeschen der Dauerhaftigkeit.

Wo Erfahrung nicht unpersoenlich waere, wuerde sie grausam sein. Jeder Anspruch auf Bedeutung ist letztendlich nicht zu unterstuetzen. Jede Bedeutung ist eines anderen Witzes. Kann jemand behaupten gelebt zu haben, der nicht die stechende Impotenz in dem Gesicht jeden Daseins erfahren hat, die Arme ausstreckend um zu troesten erscheint denen , des Gefaehrtens ertrinkende, verknoecherte Wurzel als wuerde man uns ins Grab ziehen?

Nahe beim Ufer, verfluessigt sich das Maedchen in der Stroemung der Natur. "Bekenntnis" hebt hervor das der Moment der Aufloesung, auch wenn es in ein nicht Dasein fuehrt, entscheidend ist.

Fateri ist dem englischen "Fable/Fabel", "Fame/Ruhm" und "Fate/Schicksal" verwandt. Die Angelegenheit der Fable vom Schisma zwischen uns und Gott( dieser Begriff ist schwerlich von Pater zu trennen), zwischen der Vergangenheit und Gegenwart, Nichtvorhandensein und Dasein.

Es ist so nah wie wir dem Unvollendeten ohne Aufloesung kommen koennen. Der letzte Schleier . Die urspruenglichen Raender der Fabeln, wie auch immer verfluechtigt, auf dem Ertraeglichen, einverstanden sein mit…uns.

Von der Naehe zum unaussprechlichen abstammend ist die Fremde. Ihre Logik die der Traeume, von einer pre-historischen, tierischen oder instinktiven Bewusstseinebene kommend. Ihre Sprache, so ungewoehnlich, wird von uns so wenig hinterfragt wie der Gesang der Voegel inspiziert wird. .

Etymologisch bezieht sich die "Fabel" auf "die Fee", unsere essentiell verbundene Existenz mit dem Unwirklichen, genauer, mit dem Magischen. Waehrend die Weltlichkeit dies zu unterdruecken versucht, resultierend im Fanatismus des Nachweislichen, bringt uns die Wissenschaft zurueck zur Schwelle des Unerklaerlichen.

Im Gegensatz dazu plegten die Menschen des Altertums, ein an erster Stelle stehendes Prinzip, wie Robert Lawlor es nennt " die Diziplin eines rationalen, unerfassbaren Geheimnisses".

( Robert Lawlors Buch "Heilige Geometrie", veroeffentlicht bei Thames and Hudson, 1982.)

Wenn wir nicht vorsichtig sind missverstehen wir die ueberkommende Fuelle des Daseins fuer ein verarmtes, lineares Zeitkonzept(im Angesicht Gottes kann der Sterbliche nicht begreifen), in dem wir abgeschnitten, referent-less, nicht das Paradies bewohnen aber ein Paradox. In diesem Fall Zenos, in dem wir keinen Anspruch erheben anzufassen oder zu wissen. In linearen Zeiten geben wir die Ansprueche an die Moral ab und erfahren statt Freiheit nur Erlaubnis.

Abgetrennt von dem Ganzen, bewohnen wir eine substanzielle Identitaet, eine saekulare Exsistenz, in der Vorahnungen gefaehrlich eng beieinander liegen.

Whites Verstaendnis mannigfaltiger Ruinen. "Bekenntnis" verlangt kein auschliessliches lineares Zeitkonzept. Wir erfahren die gesamte Arbeit aus vier Ansichten und werden gezwungen mehr als einen Moment von dem was sich ereignet, zu erfahren. An einem Punkt ist des Maedchens Profil dem gesamten Anblick ihres Gesichtes ueberlagert.

Die Implikation, das alles zur gleichen Zeit geschieht, in einem etwas brutalen Sinn, sind wir nur ausgestattet um ein wenig zu erfahren und ein Aspekt der letzten Endes sehr privat ist, jenseits von Beruehrung oder Darstellung, sind schliesslich wir. Vertraut, der Gebaerde zu dem Wesentlichen von wo wir fragen woher wir stammen.

Innerhalb Wissens, die Fabel oder der Traum von leben, sind wir Jungfrauen, Bewusstsein gleichermassen Unschuld. Ob wir gedankenverloren , verwirrt oder bedroht sind, wie Lewis Carroll’s Alice oder Dorothy in Oz so sind wir nicht kraftlos. Ein Saccharin Begriff von Pop-Analyse zu erzielen , das "Innere Kind" erloest das Universum beim fortsetzen es zu erfahren (was immer die erste Bewegung ist, dem mysterioesen entsprechend ). Unser reagieren "so verschieden wie moeglich" (Frank O’Hara) ist Freiheit. Hier ist Bedeutung in blosser Fortdauer, wo fuehlen rein ist und wir alle Gefuehle begreifen. Zugleich, das Maedchen zuendet und besiegt die Flamme. Der

Charakter beginnt in Traeumen, als Anerkennung der Zerstoerung ist das schrecklichste Innerste der Vorstellung. In der Vorstellung, Selbsterfahrung, die entfremdende Vollstaendigkeit des Daseins als es selbst.

Das Zucken, Zusammenstoss der Statik, Laerm…Sinnbild, imago, Aehnlichkeit… Dem Englischen verloren sind der Worte etymologische Beziehung zu Wiederhall und Geist.

Ich, Sinnesbild, die Magie des Selbst, ein immaterielles Wesen dessen Kurzlebigkeit Freiheit ist.

Wissen ereignet sich in zyklischer Zeit, impliziert das Abstrakte, eine zweifache… Wiederkehr. Wenn das "Ich".Die Haelfte des Duos bewohnt lineare Zeit, in der es teilnimmt am unwiderruflichen ist es noch eine Erwaehnung.

Wir sind dem nah was einige Mystiker meinen wenn sie darauf verweisen : Leben als Spiel. Ganz genau die Wichtigkeit der vergaenglichen Tat nicht zu verringern oder ungueltig zu machen. Denn Spiel ist nur Spass wenn die Regeln beachtet werden, und nur die schoenen Spiele ueberleben. Ohne Regeln keine Chance, Detail, Gott.

Bedaechtig sein, beten. Fuer das Kind des "Bekenntnisses", nicht laenger unterdrueckend ist das Gefuehl von ferner Realitaet oder der erlaubte Anlass, gar die Einladung zum heiligen Spiel.

 

Tom Breidenbach ist Autor und Kurator in New York.